1720 entstand am alten Platz ein drittes Gotteshaus in Form eines einfachen Rechteckbaus das seine Vorgänger zwar an Größe übertraf, wenige Jahrzehnte nach seiner Einweihung jedoch so baufällig geworden war, dass nach zwei Anläufen zur Renovierung endlich im Jahre 1786 nach elfmonatiger Bauzeit die heutige Hugenottenkirche ihre Stelle einnahm.
Der von Friedrich Joachim Stengels Sohn Balthasar Wilhelm entworfene Neubau, im Gegensatz zu den drei früheren Kirchen ausschließlich aus Mauersteinen statt überwiegend aus Holz errichtet, stand nun nicht mehr entlang der Hauptstraße, sondern senkrecht zu ihr. Als barocke Saalkirche im schlichten, reformierten Baustil mit Kanzelaltar und gegenüberliegender, einfacher Empore ähnelte sie ansonsten jedoch weitgehend dem Bau von 1720.

Die nach dem Wiener Kongress anbrechende preußische Herrschaftszeit in der Saarregion setzte auch die hugenottische Gemeinde in Ludweiler einem wachsenden lutherischen Einfluss aus, der schließlich während der Jahre von 1855 bis 1857 den Einbau einer Kirchenorgel durch die weltbekannte Orgelbaufirma Gebr. Stumm in Rhaunen/Hunsrück bewirkte. Auch das äußere Erscheinungsbild des Gebäudes büßte nach und nach seine ursprünglich nahezu schmucklose Form ein: So wurde 1876 und 1877 vor dem Hauptportal der fast 40 Meter hohe Kirchturm mit neugotischen und neuromanischen Stilmerkmalen angefügt, der den bisherigen kleinen Dachreiter ersetzte und nunmehr drei statt bisher zwei Glocken aufwies.

Nach über einem halben Jahrhundert ohne nennenswerte Baumaßnahmen wurde erst kurz vor Beginn des zweiten Weltkrieges wieder eine umfangreichere Renovierung unternommen, die nicht nur eine Restaurierung des Kirchengestühls und den Einbau einer Heizung umfasste, sondern auch die Aufstellung eines neuen Altars, die Erneuerung der Fenster durch eine Bleiverglasung und die Ergänzung von Schmuckelementen im Innenraum. Durch die Evakuierung Ludweilers bei Kriegsausbruch verzögert, fanden die Arbeiten erst im Frühjahr 1941 ihren Abschluss, bevor der weitere Kriegsverlauf auch die Ludweiler Hugenottenkirche schwer in Mitleidenschaft zog.

DIE HUGENOTTENKIRCHE ZU LUDWEILER-WARNDT

Die 1786 erbaute Hugenottenkirche, die das Bild des Völklinger Stadtteils Ludweiler als Wahrzeichen und höchstes Gebäude gleichermaßen prägt, ist bereits die vierte ihrer Art an gleicher Stelle - ein Sachverhalt der beredtes Zeugnis über die vielfachen Bedrückungen ablegt, die die Ludweiler Calvinisten während ihrer relativ kurzen Siedlungszeit an der Rixfurth des Lauterbaches zu erdulden hatten. Schon bald nach Gründung des Ortes durch Hugenotten im Jahre 1604 entstand ein erstes einfach gehaltenes Gotteshaus, dessen kaum verbürgte Existenz nur dreißig Jahre später durch die Verheerungen des Dreißigjährigen Krieges (1618 bis 1648) ein Ende fand.

Auch dem 1660 errichteten notdürftigen Nachfolgebau auf dem selben Grund und Boden war kein langes Leben beschieden: Nach Aufhebung des Edikts von Nantes (21. Oktober 1685), das Religionsfreiheit gewährt hatte, durch den französischen König Ludwig XIV., blieb auch die grenznahe Hugenottengemeinde Ludweiler nicht von Übergriffen französischer Truppen verschont; die Kirche wurde abermals völlig zerstört.

Nachdem sich die 1954 zum 350jährigen Gemeindejubiläum erhöhte Zahl der Sitzgelegenheiten im Innern der Kirche weiterhin als unzureichend erwies, wurde das Gebäude 1961 auf der Altarseite um ein einhüftiges Querhaus nach Entwurf der Völklinger Architektin Waltraud Winz erweitert. Als moderne Stilelemente tragen die beiden aus Chartres importierten, breitseitig angebrachten Fenster zum Gesamtbild der Kirche bei, deren Buntverglasung aus Betonglas das Hugenottenkreuz als bestimmendes Motiv wiedergibt und die Vertreibung der Hugenotten über die ganze Welt symbolisieren soll.

Ein ebensolches Hugenottenkreuz, gestaltet und interpretiert durch den Saarbrücker Kunsterzieher Wolfram Huschens, ziert die Wand rechts von der Kanzel. An der Stirnseite der Ausfluchtung des Querhauses befindet sich eine ebenfalls von diesem Künstler angefertigte SgraffitoZeichnung, die den Ort Aigues-Mortes mit dem Tour de Constance in stilisierter Form darstellt. Die Kirchturmspitze trägt seit 1969 keinen Wetterhahn mehr, sondern ein drei Zentner schweres und 2,80 m hohes, mit Blattgold verziertes Hugenottenkreuz, das seither die Tradition der Gemeinde weithin sichtbar verkündet.

Zum Anwesen der Pfarrei gehört neben der Hugenottenkirche selbst und seinem inzwischen denkmalgeschützten Pfarrhaus auch das 1985 erbaute JohannCalvinHaus, ein modernes Gemeindezentrum mit vielfältig nutzbaren Sälen.